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Inspiration Savile Row

 

Einmal um die ganze Welt: Barons & Bastards Inhaber Maurits van Heyst reist zum Beginn seiner Karriere rund um den Globus. Ein Auftrag in der britischen Hauptstadt verändert plötzlich alles. Wie die Londoner Savile Row den internationalen Marketing Experten zum Unternehmensgründer machte.

 

Skizzenbuch und Schnittmuster bei Traditionsschneider Anderson & Sheppard, Photo: Christopher Simon Sykes
Skizzenbuch und Schnittmuster bei Traditionsschneider Anderson & Sheppard, Photo: Christopher Simon Sykes

 

Karriereauftakt in der Schweiz, rauschende Feste in Argentinien, Frau und Kinder in der Hansestadt: Der gebürtige Niederländer Maurits van Heyst hat ein rasantes Leben hinter sich, als er für ein internationales Unternehmen nach London zieht. Die vier Jahre in der Stadt der kulturellen Vielfalt hinterlassen ihre Spuren. Doch es sind nicht nur die Gegensätze und Dynamiken von Business, Kunst, Extravaganz und Understatement die Maurits van Heyst beeinflussen: Eine Straße in Mayfair, einem kleinen Distrikt des Londoner West Ends hat es dem Marketingexperten angetan. Die Savile Row, die goldene Meile der Schneider gilt als Mekka für hochwertige und maßangefertigte Herrenmode. Van Heyst ist fasziniert von den altehrwürdigen Traditionsgeschäften und der komplexen Kunst des Bespoke Tailoring. Jedes Kleidungsstück wird in den geschichtsträchtigen Schneidereien in individueller Absprache mit dem Kunden entwickelt und hergestellt. Dabei kann die Anfertigung eines Anzuges mehrere Monate in Kauf nehmen, und erfordert umfassende Beratung, ausgeklügelte Koordination und Zeit für mögliche Korrekturen. Von den britischen Royals bis zum stilbewussten Londoner: Hier kauft jeder der Wert auf Qualität legt. Die kleine Straße lebt von jenen Läden, die es geschafft haben historische Tradition bis in die Gegenwart zu transportieren.    

 

Dynamische Stadt der Gegensätze: London, Photos: Unsplash, Christopher Simon Sykes

 

Eines der ältesten Geschäfte und Herzstück der Savile Row ist der 1806 gegründete Bespoke Tailor Henry Poole & Co. Die Schneiderei erreichte durch die Ausstattung europäischer Königshäuser weltweite Bekanntheit. Der Familienbetrieb ist bis heute auf der Savile Row Nr. 15 zu finden. Der Henry Poole & Co „House Style“ gilt dabei als stilgebend für typische Schnitte der Schneidermeile. In der nebenan liegenden Burlington Road befindet sich Herrenausstatter Anderson & Sheppard. Eine der bekanntesten Adressen, die Persönlichkeiten, wie Prinz Charles zu seinem Kundenstamm zählt. Gründer Per Anderson ging bei Frederick Scholte selbst in die Lehre. Der Niederländer Scholte, war zu seiner Zeit Hofschneider von König Edmund VIII und gilt als Erfinder des "London Cut Looks", der die taillierte Jacke mit hoch angesetzten Ärmeln bekannt machte. Seit 1906 beeinflusst die Maßschneiderei Anderson & Sheppard die englische Herrenmode mit ihren eleganten und natürlichen Schnitten, welche die Individualität ihres Trägers hervorheben, ohne aufzufallen.   

 

Savile Row's berühmter Bespoke Tailor Anderson & Sheppard, Photo: Christopher Simon Sykes

 

Auch Maurits van Heyst reicht es schon bald nicht mehr die geheimnisvolle Welt der Schneiderkunst und ihre Bewohner nur von außen zu betrachten: Er möchte hinter die Kulissen der Savile Row blicken. „Ich habe in den Ateliers der besten Schneider mitgeholfen, durfte Stoffe auswählen, habe als Verkäufer gearbeitet. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass das was ich tue auch vielen anderen gefällt. Ich habe entdeckt, dass ich ein Auge habe für Maße, Farben, Stoffe und Stil.“ Die Monate in der Savile Row verstreichen und der Traum des eigenen Herrenbekleidungsgeschäfts manifestiert sich. Nur wenig später wird Barons & Bastards zum ultimativen Erfolgstest für den Niederländer. Er begibt sich auf eine Reise quer durch die europäische Welt der Schneider und Handwerker und entdeckt Betriebe, deren traditionelle Handwerkskunst ihn nachhaltig beeindrucken. Schon bald werden die ersten Eigenkreationen aus dem Hause Barons & Bastards in kleinen Manufakturen mit Sitz in England oder Italien produziert. In der Pöseldorfer Milchstraße eröffnet er schließlich einen kleinen Neighbourhood-Shop der das gängige Konzept von Luxus revolutioniert. Statt kühler Arroganz ist hier Bodenständigkeit angesagt: Bei Espresso und Gin Tonic sieht man hier Samstags und Wochentags Businessmänner, wie Familienväter Maß nehmen. Die Atmosphäre ist gemütlich und lässt sich irgendwo zwischen Gentlemans Club, Familiarität und Nachbarschaftstreffpunkt verorten.

 

Barons & Bastards Gründer Maurits van Heyst vor seinem ersten Bespoke Store in der Hamburger Milchstraße, Photos: Lena Lemarchtal, Lena von Zabern

 

Stück für Stück zieht der Geist der Savile Row in Hamburg ein. Inspiration liefert dabei noch ein ganz anderer Brite: Mit der Dualität des Mannes im Markenname definiert Barons & Bastards einen Typ Mann, der Ecken und Kanten besitzt und keine Angst hat vor Individualität. Ganz klar: die Rede ist von James Bond.  Mit dem zweiten Store in der Kaisergalerie kreiert Maurits van Heyst einen weiteren Rückzugsort für Gentlemen, an dem sich wie nirgendwo anders der Geist von Ian Fleming mit der Moderne vermischt. Kein Wunder, dass der Geheimagent auch in der 007 Romanvorlage seine Einkäufe in der goldenen Meile der Schneider tätigt. Was Bond modisch fasziniert, setzt van Heyst gekonnt um. Jedes Kleidungsstück, ob Bespoke, Made to measure oder Ready to wear, erzählt bei Barons & Bastards durch seine besondere und nachhaltige Herstellung eine eigene Geschichte. Für jede Biographie lässt sich ein passgenauer Anzug anfertigen. Das Gedankengut der Savile Row hat in der Hansestadt eine neue Heimat gefunden.

 

 

Text: Lena von Zabern, Photos: Christopher Simon Sykes for Anderson & Sheppard, Unsplash: Arvydas Venckus, Anthony Delanoix

 

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