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Dolce Far Niente – Italien: Reise durch das Land der Sehnsucht

Ein Reisebericht von

Lena von Zabern

Links: Straßen von Florenz,, Rechts: Riomaggiore, eines der 5 Dörfer der Cinque Terre


„Mit offenen Augen und träumendem Herzen“ so schlenderte einst schon der deutsche Dichter Heinrich Heine durch die Straßen von Florenz. Barons & Bastards begibt sich auf Spurensuche in das Land der Dichter und Denker. Fünf Tage durch die Lombardei, Toskana und Ligurien: Ein kultureller Roadtrip von Mailand, über Florenz bis in die Cinque Terre. Wir zeigen im Barons & Bastards Travel Diary die schönsten Seiten Italiens.

 

 

Es ist Freitag und die Straßen Mailands sind bereits am frühen Morgen voll von Verkehr. Wer als Mailänder etwas auf sich hält, der fährt an diesem sonnigen Wochenende samt Familie ins Ferienhaus am Meer.

Auch wir haben unsere Koffer gepackt und den Mietwagen beladen, doch die Ligurische Küste muss noch etwas warten. Von Mailand aus starten wir unseren Roadtrip in Richtung Süden. Aus der Modemetropole Norditaliens geht es in die Hauptstad der Toskana, um uns mit eigenen Augen von Heinrich Heines „Blumenstrauß“ am Herzen der schönen Frau Italien zu überzeugen. 


Florenz liegt eingebettet zwischen Hügelketten im Tal des Arno. Der Fluss teilt die Stadt im Herzen der Toskana in eine Nord- und Südseite, die durch zahlreiche Brücken miteinander verbunden ist. Berühmt ist die ehemalige Hauptstadt Italiens durch ihre weitreichende Geschichte und deren kunsthistorische Bedeutung. Mit dem Aufstieg der Medici um 1400 baut Florenz seine wirtschaftliche, politische und kulturelle Vormachtstellung weiter aus. Unter der Herrschaft der Patrizierfamilie blühen Kunst und Architektur auf, zahlreiche Persönlichkeiten lassen sich in Florenz nieder, darunter Größen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Botticelli oder Brunelleschi. Die toskanische Stadt wird zum Nährboden und zur Wiege der Renaissance. Noch heute zeugt die Altstadt, als UNESCO Weltkulturerbe, von den Spuren dieser reichen Vergangenheit.

Ponte Vecchio
Ponte Vecchio

Mit dem Auto hat man es in Florenz nicht leicht. Parkplätze sind limitiert und das Parken in der Altstadt nur gegen hohe Gebühren möglich. Wir finden einen Platz ein wenig Außerhalb und gelangen über die Ponte Vecchio ins Innere der Stadt. Die steinerne Brücke mit ihren vielen kleinen Geschäften stammt aus dem Jahre 1300 und ist eine der historischen Sehenswürdigkeiten, die Florenz wie ein Netzt durchzieht. Durch die kleinen Gassen der Altstadt gelangt man tief ins Innere, das schließlich aufbricht und sich hin zum Dom Santa Maria del Fiore öffnet, dessen Kuppel sich zwischen den schmalen Straßen emporhebt. Erbaut von Filippo Brunelleschi gilt die selbsttragende Kuppel als architektonische Höchstleistung und Meisterwerk der Renaissance. Doch wer den Dom besichtigen möchte sollte Geduld mitbringen: Bis zu drei Stunden kann es dauern, bis man den Eingang der Kirche erreicht. Die Begehung der Kuppel ist oftmals tagelang ausgebucht. 


Wer sich den Blick über die Stadt jedoch nicht entgehen lassen möchte, der sollte frühzeitig reservieren. Gegen einen kleinen Aufpreis lässt sich so auch das Ausharren zwischen Touristenmassen unter der toskanischen Sonne vermeiden. 


Spaziergang durch die florentinische Altstadt. Immer im Blick: Die Brunelleschis Kuppel der Kirche Santa Maria de Fiore

Übernachtungsmöglichkeiten, Shops, Restaurants und Cafés sind reichlich und in jederPreisklasse vorhanden. Absolute Geheimtipps mit wunderschönem und innovativem Dekor sind die Ad Astra Suites (http://adastraflorence.com/), ein charmanter Palazzo mit 60er Jahre Vintage Sammelstücken und Stuckdecken, sowie der Palazzo Niccolini al Duomo (http://www.niccolinidomepalace.com/de/), mit barocker Einrichtung à la Medici und Traumblick auf den Dom. Die deutsche AD empfiehlt aktuell das Hotel Milu : "Das neue Boutique-Hotel „Milu“ setzt der stillen Größe laute Farben entgegen – und eine vertikale Galerie kontemporärer Installationen und Objekte"Ebenfalls einen Aufenthalt wert ist das kleine Boutique Hotel Soprarno Suites und die Hotels Villa Cora, Santa Maria Novella und Brunelleschi.

Ob Aperitivo, Capuccino oder Pizzeria: In Florenz gibt es Genuss im Überfluss. Wer schon immer einmal die traditionelle toskanische Küche kosten wollte, der ist in einheimischen Restaurants wie dem Cibrèo, Antico Ristoro di Cambi oder der Trattoria Sostanza bestens aufgehoben. Es erwartet eine außergewöhnliche Küche und familiärer toskanischer Flair. Lifestyle- und Luxus-Journalist Yvo van Regteren Altena, Parfümeur von – YVRA 1958 empfiehlt die Trattoria Camillo. Ein bisschen mehr sehen und gesehen werden ist im Café Giacosa angesagt. Hier speist dimodebewusste Elite, denn das wohl eleganteste Cafes Florenz’ gehört schließlich Designer Roberto Cavalli. Für Modeliebhaber ist ein Besuch im Atelier Liverano & Liverano unerlässlich. Der florentinische Bespoke Tailor gilt als einer der weltweit Besten seiner Art und kooperiert mit bedeutenden Manufakturen der Männermode. Nicht vergessen sollte man bei seinen Erkundungen durch die Stadt jedoch die klassisch südländische Siesta (in Italien besser bekannt als riposo): Über die heiße Mittagszeit bleiben Geschäfte und Restaurants geschlossen. Dafür lässt sich der Einstieg in die Abendstunden mit einem Aperetivo versüßen. Zur Cocktailstunde gibt es kleine Häppchen und leckere Drinks auf schönen Piazzas wie der Piazza Santa Spirito oder der Piazza Pitti.

Piazzale Michelangelo: Sonnenuntergang über Florenz
Piazzale Michelangelo: Sonnenuntergang über Florenz

Zum Sonnenuntergang geht es über steile Pfade und Treppen hinauf zur Piazzale Michelangelo. Hier auf der Anhöhe über den Dächern der Stadt lässt sich bei einem Aperol Spritz beobachten, wie Florenz in goldenem Abendlicht versinkt. Wer vom Aufstieg noch nicht geschafft ist kann den Weg über Treppenläufe zur Kirche San Miniato al Monte fortsetzen. Der kleine Platz der Kirche ist weniger besucht als die weitläufige Piazzale Michelangelo und lädt zum ungestörten Verweilen ein um die ersten Lichter über dem Arno in der Abenddämmerung zu betrachten.

 

Am nächsten Tag verlassen wir die Stadt der Künste und machen uns auf dem Weg nach Ligurien. Ziel der rund zweistündigen Autofahrt ist die Cinque Terre, 5 malerische Dörfer, entlang eines 9 km langen Küstenstreifens an der Italienischen Riviera. Dort fällt die Küste in sanften Bergketten steil zum Meer hin ab. Die Orte Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare sind wie Vogelnester in die winzigen Täler und Küsteneinschnitte gebaut.

Traumhafte Kulisse: Blick auf Manarola
Traumhafte Kulisse: Blick auf Manarola

Die bunten Häuser schmiegen sich in den Felsen und werden eins mit den grünen Terrassen auf denen sich die Weinreben emporrecken. Fast jedes der 5 Dörfer liegt am Meer und besitzt einen kleinen Hafen mit Fischerei und Ausflugsboten. Sandstrände findet man hier kaum; 

Riomaggiore
Riomaggiore

Einheimische und Touristen genießen Sonne und Meer von den Steinstränden und Buchten aus. Diese haben ihren ganz eigenen Charme. Auf den großen Felsen werden Handtücher ausgebreitet, das Wasser ist glasklar und angenehm erfrischend, Mutige klettern die Bucht hinauf und setzen zum Felsenspringen an. Das gesamte Gebiet ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes und steht als Nationalpark unter Naturschutz. Wer mit dem Auto unterwegs ist parkt am Besten in der nächstgelegenen größeren Stadt La Spezia, die ebenfalls einen Besuch wert ist. Von hier aus lassen sich die Dörfer mit dem Zug erreichen. Die Eisenbahnstrecke verläuft mit mehreren Tunneln direkt an der Küste entlang. Mit Ausnahme der kurvigen und zeitintensiven Bergstraße ist sie die einzige Verbindung zwischen den Dörfern und der Außenwelt. Wer die Dörfer lieber zu Fuß besichtigt, den erwarten traumhafte Wanderwege durch Weinbauterassen oberhalb der Dörfer, oder der weniger anstrengende Küstenpfad 


Azurro der zwischen Riomaggiore und Manarola als Via dell Amore mit romantischem Blick auf Meer und Küste lockt. 

Von links nach rechts: Von Riomaggiore nach Manarola: Blick auf das Küstendorf, Wilde Blumen und blaues Meer: Wanderweg zwischen den Dörfern, Verschnaufpause: Baden in den kleinen Felsbuchten, Ausgetretene Pfade im Cinque Terre Nationalpark

Tagestickets gibt es unter anderem in der Cinque Terre Touristeninformation in La Spezia zu kaufen. Für 16 Euro kann man die Bahnstrecke, sowie die Pfade durch den Nationalpark den ganzen Tag benutzen. Wer sich für ein Einzelticket mit der Bahn von Dorf zu Dorf entscheidet, der zahlt mehr. Obwohl die Fahrt zwischen den Orten meist kaum mehr als 2 bis 5 Minuten dauert beträgt der Preis für ein Einzelticket 4 Euro. Auch die Preise für Essen und Unterkunft haben oftmals touristische Ausmaße. In den kleineren Dörfern ist es schwer eine Unterkunft zu finden. Unser Tipp: Lieber nach Übernachtungsmöglichkeiten in La Spezia oder dem größeren Dorf Manarola al Mar suchen und die Cinque Terre von dort aus besichtigen. Menschenmassen lassen sich in der Hauptsaison jedoch auch auf den Wanderwegen antreffen, die mit den Jahren doch etwas von ihrer wilden, unberührten Schönheit eingebüßt haben. Wandern durch verlassenen Küstenabschnitte ungestörtes Schlendern durch geheime Gässchen; -von dieser Vorstellung sollte man sich bei einem Besuch in der Cinque Terre verabschieden. Mit 2,5 Millionen Besuchern im Jahre 2015 ist der Küstenabschnitt ein bekanntes Ausflugsziel für Tagestouristen. Doch das soll sich jetzt ändern. Die Einwohner der 5 Dörfer plädieren für kontrollierter Besucherzahlen, um den Charme des Weltkulturerbes auch in Zukunft erhalten zu können.

 

Nach einer obligatorischen Pizza am Hafen fahren wir in der Abendsonne mit dem Zug zurück nach La Spezia und treten von dort die Heimreise nach Mailand an. Angekommen im dichten Gewirr der nächtlichen Stadt neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Noch einmal an den Navigli Kanälen sitzen und die lauen Nächte genießen, noch einmal morgens Espresso bestellen:  Zeit für ein weiteres Mal Dolce far niente im Sehnsuchtsland Italien. 

(Mit den Erinnerungen halten wir es poetisch und zitieren zum Abschied Friedrich Treitschke, der nach seiner Rückkehr 1810 aus Italien schrieb:

 Doch mein Gedächtnis bewahret auf ewig untilgbar die Tage,
Da ich euch wechselnd umfing, Herrliche, 
Kunst und Natur!)

Marya Georgieva Fortezza da Basso, Firenze, Italy
Marya Georgieva Fortezza da Basso, Firenze, Italy

Das nächste Barons & Bastards Update aus Florenz gibt es nächste Woche live von der Pitti Immagine Uomo. Wir besuchen die internationale Modemesse für Herrenbekleidung und lassen uns von neuen spannenden Trends und innovativem Design inspirieren!