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Introducing: Clemens Overlack

Unser Neuzugang unter den Barons & Bastards Role Models arbeitete als praktizierender Internist und Anästhesist, bis er vor 16 Jahren den Beruf wechselte. Wir sprechen mit dem 52-Jährigen Familienvater über berufliche Heldentaten, darüber was Ärzte und Detektive gemeinsam haben und lassen uns verraten warum Männer unbedingt Krawatten tragen sollten. 

  

Sportlich: Clemens trägt die Harrington „Jaguar Edition“ von Private White VC, 650 €
Sportlich: Clemens trägt die Harrington „Jaguar Edition“ von Private White VC, 650 €

 

Du bist vom praktizierenden Arzt in eine Handelsfirma für pharmazeutische Rohstoffe gewechselt. Wie kamst du zu diesem Berufswechsel?

Ich habe in der Medizin leider die Sachen geliebt, die akut und dramatisch waren. Ich war zunächst Internist. Da hat man natürlich mit vielen Notdiensten zu tun. Dann war ich Anästhesist und als solcher ist man ebenfalls immer in der Notaufnahme, macht viele Operationen, ist auf der Intensivstation. Ich hatte es mehrmals in der Woche mit Herzkreislaufstillstände oder schweren Unfällen zu tun. Irgendwann kam der Tag an dem ich für mich gemerkt habe, dass mich diese Dinge emotional doch mehr mitnehmen, als ich ursprünglich vermutet hatte. Dazu kommt, dass ich kein Nachtmensch bin, aber im Krankenhaus immer morgens um drei oder vier die meiste Konzentration benötige. Diese Kombination hat dazu geführt, dass mir klar wurde, dass ich das keine 30 Jahre machen kann. Diese Entscheidung zu treffen war nicht leicht, ich habe dafür zwei Jahre gebraucht. Nach einem zweijährigen Abstecher bei Boston Consulting bin ich dann schließlich zur Firma Welding gewechselt.

 

War der Arztberuf schon immer dein großer Traum?

Eigentlich nicht. Ich bin auf Umwegen zur Medizin gekommen. Ich wollte eigentlich Chemie studieren. Aber dann dachte ich mir den ganzen Tag im Labor stehen ist eigentlich langweilig, lieber etwas mit angewandter Naturwissenschaft! Und so bin ich zur Medizin gekommen. Der Arztberuf hat schon sehr viel Faszinierendes. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es Leute gibt die das kalt lässt. Mit moderner Medizin kann man heutzutage enorm viele Probleme sehr gut behandeln. Wenn man vergleicht wieviel heute möglich ist - das ist schon faszinierend.

 

Gab es für dich ein Schlüsselerlebnis währen deiner Zeit als Internist?

Es gab ein sehr großes Erlebnis, welches während meiner beruflichen Station in England bei mir hängen geblieben ist. Ein Patient kam mitten in der Nacht mit Beschwerden im Brustbereich zu uns. Der erste Gedanke in solchen Fällen ist zunächst einmal ein Herzinfarkt und er wies dann auch im EKG die entsprechenden Veränderungen auf. Damals war es üblich eine blutgerinnungsaufhebende Behandlung, eine sogenannte Thrombolyse, einzuleiten, sodass das Gerinnsel, welches den Herzinfarkt verursacht, sich auflöst. Das muss aber relativ schnell gehen. Der Patient wurde also folglich auf die Intensivstation gelegt, die Krankenschwestern haben die Spritze vorbereitet und gefragt: sollen wir sie jetzt geben? Mir gefiel aber das Ganze nicht. Ich hatte das Gefühl, dass dort irgendetwas nicht normal war. Also habe ich die Maßnahme gestoppt, den Mann röntgen lassen und einen Kollegen aus der Chirurgie hinzukommen lassen. Der bestätigte meine Vermutung einer ganz andere Problematik: Der Patient hatte einen Riss in der Hauptschlagader, der Aorta, die vom Herzen in den ganzen Körper geht. Wenige Stunden später haben wir dann operiert. Hätte ich diesem Mann die Thrombolyse gegeben wäre er unmittelbar verblutete und direkt gestorben. Da habe ich auf der Kippe die richtigen Entscheidungen getroffen. Das war schon ein besonderes Gefühl.

 

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Bilanz Arztberuf: Welche Lebenslektion hast du als Mediziner gelernt?

Was ich auch heute noch in fast allen Dingen als Leitprinzip habe ist: Du musst immer beobachten, immer analysieren, du kannst dir nicht immer ein endgültiges Urteil bilden. Wenn neue Daten kommen musst du immer wieder von vorne analysieren. In der Medizin wie auch im wirklichen Leben spielen Verläufe eine große Rolle. In der Medizin lernt man sehr schön, dass man trotz eindeutiger Indizien keine Entwicklung ausschließen kann. Dieses ständige beobachten, analysieren, nochmal neu überlegen das ist eigentlich die intellektuelle Grundlektion aus der Medizin, die ich auch auf alle Bereiche meines Lebens anwenden kann. Es ist wichtig nicht zu schnell zu irgendwelchen Aktionen zu kommen. Das versuche ich auch meinen Kindern immer wieder beizubringen.

 

Das klingt so als ist man als Mediziner auch immer ein bisschen Detektiv, der beobachtet, Indizien sammelt und daraus seine Schlüsse zieht.

Genau. Ich habe neulich im Kino „Orient Express“ gesehen und muss sagen Agatha Christies Hercule Poirot ist ein schönes Vorbild.

 

Du bist Vater von zwei Kindern, was ist dir in der Erziehung wichtig.

Ich habe zwei Söhne und mein Hauptziel ist es, dass die beiden Eigenverantwortung lernen. Verantwortung übernehmen, dass ist in unserer Gesellschaft besonders wichtig. Ich habe das Gefühl, dass es heute viel zu viele Menschen gibt die Verantwortung gerne auf andere schieben. Wer Verantwortung übernimmt wird natürlich auch oft kritisiert. Ich versuche meinen Kindern selten zu sagen: dass macht man nicht, sondern eher meinen Kindern zu erklären: guck dir das mal an und versuch das mal selbst.

 

Hast du neben Hercule Poirot noch andere Stilvorbilder?

Ich finde Cary Grant sehr stilsicher. Der sieht im Smoking, oder in Hemd und Hose gut aus ohne so poliert zu wirken. Clark Gable dagegen finde ich zu gelackt und zu perfekt. George Clooney ist unter den modernen Schauspielern der, den ich am meisten schätze.

 

Woher nimmst du deine Inspiration beim Zusammenstellen deiner Outfits?

Ich komme aus einer Jugend in der meine Mutter immer klar gesagt hat was ich anziehen soll (lacht). Ich habe mich einerseits daran orientiert, aber anderseits auch meinen eigenen Stil gefunden habe. Für meine Mutter gab es viele Stil-Etikette wie z.B. klassische Budapester. Auf eine gewisse Weise bin ich manchmal noch darin gefangen, und merke das in meinem Hang zu klassischen Stücken. Oftmals trage ich aber auch Jeans oder Cordhosen oder Chinos. Ansonsten trage ich fast immer ein Hemd. Und obwohl ich keine Krawatten im Büro tragen muss, habe ich fast immer eine an. Das ist einfach mein Stil, und eine einfache Art und Weise ein wenig Farbe ins Outfit zu bekommen. Wenn’s entspannt sein soll trage ich gerne etwas Sportliches.

 

 

Was ist typisch für einen Stil à la Clemens Overlack?

Im Grunde ist Barons & Bastards sehr typisch für meinen Stil: Klassisch aber mit Pfiff. Man bekommt ein dunkelblaues Jackett in 50 Läden dieser Stadt, aber was ich hier liebe ist der individuelle Schnitt, die der Kleidung Leben verleiht.

In meinem Kleiderschrank finden sich aber auch ein paar Sachen die ich leider viel zu wenig anziehe: Einen Smoking mit Schalkragen und einen maßgeschneiderten Frack. Wovon ich mich überhaupt nicht trennen kann sind Schuhe (lacht).

 

Hast du eine besondere Leidenschaft oder ein Hobby?

Meine erste große Leidenschaft ist Golf. Meine zweite Leidenschaft sind Oldtimer. Durch Zufall bin ich vor 16 Jahren an einen alten Porsche gekommen und daraus ist dann eine kleine Leidenschaft an älteren Autos entstanden. Besitzen tue ich aber nur eins. Das Sammeln wäre mir dann doch ein wenig zu teuer (lacht). Außerdem bin ich fasziniert von den früheren Autorennfahrern. Von diesen todesmutigen Playboys, die jedes Mal in diese Rennwagen ihr Leben riskiert haben. Dieser sinnlose Wagemut oder jugendliche Übermut fasziniert mich. Kochen tue ich auch sehr gerne und bin immer auf der Suche nach neuen Rezepten.

 

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

„Civilization“ von Niall Ferguson. Da geht’s es um die Frage was Zivilisation definiert, und warum Zivilisationen scheitern. Ein sehr spannendes Thema: Das kann ich nur empfehlen!

 

Was kann dein Partner besser als du?

Meine Frau ist ein Ass im Rechnen. Sie kann sehr viel schneller rechnen und argumentieren als ich (lacht)!

 

Woran denkst du als letztes wenn du einschläfst?

Tag ist vollbracht, Kinder liegen im Bett, alle sind gesund. Licht aus.

 

Baron oder Bastard?

Ich glaube ich bin definitiv eher Baron. Ich wäre aber definitiv lieber eher Bastard (lacht).

 

 

Interview und Bild: Lena von Zabern