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Perfektion auf dem Wasser - Barons & Bastards trifft Yachtdesigner Udo Hafner

Ein Artikel

von Lena von Zabern

Er verwirklichte schon so manchen Traum von Fortbewegung auf dem Wasser. Seine Entwürfe im Motorboot- und Yachtbau sind für ihr innovatives Design preisgekrönt. Wir treffen Yachtdesigner Udo Hafner zur exklusiven Hafenrundfahrt und werfen einen Blick in die Welt der Schiffsbauer


12 Uhr mittags in der Hamburger Hafencity. Die Wolkendecke ist aufgerissen und die Touristengruppen fließen in stetigen Strömen Richtung Elbphilharmonie. Der Sandtorhafen ist an diesem Donnerstag vom Trubel verschont. Hier, hinter der Hafenmauer wird die Stadt für einen Augenblick verschluckt. Möwen fliegen schreiend gegen den Wind, irgendwo das Klirren von Takelagen. Tuckerboot Pit schaukelt vergnügt im Hafenbecken auf und ab. Das Gepäck ist verstaut, die Leinen gelöst. Udo Hafner ist bereit zum Ablegen. In der luxuriösen Welt der Yachten, ist ein kleiner Oldtimer wie Pit nicht unbedingt das Boot heimlicher Südseeträume. Doch wer das restaurierte Rettungsboot genauer betrachtet merkt schnell, dass es genau diese kreative Bodenständigkeit ist, die den 38-Jährigen Yachtdesigner zu einem der innovativsten und erfolgreichsten seiner Branche macht. Die Erfolgsgeschichte des Österreichers, der seine Nationalität liebevoll als Geburtsfehler bezeichnet, beginnt jedoch fernab der Elbe: am Wörthersee in Kärnten. „Seit ich denken kann wollte ich etwas mit Yachten machen. Der Weg war das Ziel oder umgekehrt.“ Nach beruflichen und privaten Exkursionen in die Welt der Piloten, Feuerwehrmänner und Schürzenjäger widmet sich der Maschinenbau Student schließlich seiner Leidenschaft. Als studentischer Mitarbeiter eines Ingenieursbüros kommt er früh mit Yachtbau Größen wie Bavaria in Kontakt- ein Kunde den Hafner heute mit seinem eigenen Büro iYacht intensiv betreut. Doch bis er seinen Traum Ein Artikel von Lena von Zabern vom Yachtbau verwirklicht erwarten Hafner unternehmerische Rückschläge. „Am Anfang war ich sehr ungeduldig, musste lange lernen auch mit Kritik umzugehen und nicht aufzugeben. Das ich dort bin, wo ich heute stehe hat viel mit Beharrlichkeit und Geduld zu tun.“

Auf Hafentour mit Tuckerboot Pit: Auf dem Wasser ist der Unternehmer pragmatisch unterwegs: „Mein Stil ist sportlich oder elegant. Am besten beides zusammen.“ Hemd Barons&Bastards 160 €
Auf Hafentour mit Tuckerboot Pit: Auf dem Wasser ist der Unternehmer pragmatisch unterwegs: „Mein Stil ist sportlich oder elegant. Am besten beides zusammen.“ Hemd Barons&Bastards 160 €

 

Mittlerweile hat sich der Wahlhamburger ein international erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, dass ein breite Basis an Dienstleistungen anbietet. Hafner und seine Mitarbeiter fungieren als kreative Ideengeber, Produktdesigner, Schiff- und Maschinenbauingenieure, Projektmanager, Berater und Zertifizierer für Sportboote und Yachten. Wer glaubt, dass sich das Leben eines Yachtdesigners zwischen Monaco, Dubai und lauen Nächten im Hafen von Cannes abspielt der irrt sich. „Das Entstehen einer Yacht ist leider sehr unromantisch. Wir haben sehr enge Zeitpläne. Bei jedem unserer Projekte geht es vor Allem darum Kosten und Funktionalitäten zu besprechen und diese hochkomplexen Dinge in kürzester Zeit zu entwickeln und umzusetzen.“ Der Arbeitsablauf gleicht vielmehr dem eines Automobilbauers: Der Unterschied: Statt Daimler oder Porsche sind Hafners Kunden Werften und heißen Bavaria, INSIDER Yachts, oder Kiel Classic. Hafners Aufgabe ist es bestehende Serien weiterzuentwickeln oder neue Nischen zu besetzen. Dabei müssen neue Produkte überzeugen und Serientypen den Gesetzen der Serienfamilie in Kosten und Struktur entsprechen, ohne dabei langweilig zu werden, oder bestehende Produkte zu kannibalisieren. Die Crux an der Sache: „Wo andere im Flugzeug oder Automobilbau sehr viel Zeit haben, müssen wir schnell sein, zielorientiert sein, Lösungen entwickeln. Viele Projekte haben Sonderlösungen, Klappen, Plattformen, ein Dach, dass hoch und runtergeht. Da wird ganz schön viel reinentwickelt, das ist eine ganz andere Geschwindigkeit.“

 

Ein wenig glamouröser sieht es im Bereich der Super Yachten aus. Für Einzelkunden erfüllt der Yachtdesigner hier auch herausfordernde Interieur Spielereien wie Aquarien oder große Glaswände. Bei manchen Ideen hört jedoch auch für den kreativsten Querdenker der Spaß auf: „Es gab mal einen Kunden, der wollte eine Schwebeyacht. Ein Schiff das im Wasser schwimmt, aber nicht schaukelt. Aber mal ganz ehrlich: Warum sollte ich ein Boot bauen, dass jegliches Gefühl vom Lifestyle des Bootfahrens negiert? Das ist für mich das Entscheidende: Ich will ein Produkt bauen, dass der Markt auch braucht und die Kunden wollen und nicht etwas, das jemand nur für sich selbst lustig findet.“ Im Großen und Ganzen bleiben die Kundenwünsche an iYacht jedoch funktional. Die Konstruktionen protzen selten mit Ausgefallenheit, sondern zeigen ihre Andersartigkeit im Detail. Das Stichwort Individualität haben dabei sowohl Werften als auch Privatkunden gemeinsam; ein gesamtgesellschaftlicher Trend der auch im Bootsbau spürbar wird. Hafners Erfolgsgeheimnis findet sich in dessen Verständnis. Der Österreicher versteht die Yacht als Maßanzug: „Wer sich eine Yacht kauft, der möchte sich damit auch absetzen, es soll etwas Besonderes sein, nicht einfach von der Stange. Auf der anderen Seite muss ich mich mit diesem Produkt auch wohlfühlen. Wer bereit ist hunderttausend oder Millionen Euro für Schiffe auszugeben, dann müssen diese Schiffe funktional sein, praktisch sein, Qualität haben, sonst ist das viele Geld schnell weggeworfen. Wie bei einem Anzug kommt die Yacht mit zeitloser Funktionalität, aber eben auch mit individuellen Trends, wie große Plattformen und Beiboote, die sich alle paar Jahre mal erneuern“. Ausschlaggebend zu Beginn jeder Arbeit ist für Hafner und sein Team deshalb das Zuhören. Anforderungen und Wünsche des Kunden werden angenommen und analysiert ohne diese dabei zu verallgemeinern oder zu vergessen. Individualität wird aufgenommen und vom kleinen bis ins Große in alle Richtungen ausgearbeitet. Ziel ist es, die Wünsche gemeinsam mit dem Kunden umzusetzen, ohne auf erstarrte Designansprüche zu beharren. „Wir sind flexibel, hören hin und setzen es um. Wir beginnen nicht damit zu sagen: Jetzt kommt unser Produkt. Das würde nicht funktionieren. Natürlich tragen alle unsere Produkte von Motorboot bis zum Katamaran unsere Handschrift. Das passiert aber nicht bewusst, sondern zeigt sich als unterbewusster Prozess. Zuerst kommt das Zuhören.“

 

Seinen eigenen zeitlosen und gutsitzenden Anzug hat Udo Hafner längst gefunden: Tuckerboot Pit. Die einzige Liebe des Yachtdesigners bleibt der kleine Oldtimer jedoch nicht. „Um ehrlich zu sein verliebe ich mich jede Woche in ein anderes Boot. Meine persönlichen Meilensteine des klassischen Bootsbaus bleiben für mich die Motorboote von Carlo Riva.“ Sein ganzes Leben aufs Wasser verlagern möchte er deshalb trotzdem nicht. „Obwohl wir selbst Hausboote designen, kann ich mir ein Familienleben auf dem Wasser nicht vorstellen. Dafür reicht die Liebe zum Boot dann doch nicht. Ein Hausboot ist dann doch ein bisschen mehr Arbeit als nur in der Sonne liegen und spaßig herumschwimmen. Das ist mir mit zu vielen Entbehrungen verbunden.“ 

So lässt es sich aushalten: Pit und Udo unterwegs. Rainrider Harrington navy: Private White VC 600 €
So lässt es sich aushalten: Pit und Udo unterwegs. Rainrider Harrington navy: Private White VC 600 €

Dann doch lieber mit Freunden und Familie die Kanäle der Hansestadt erkunden; im Sommer auf ein Glas Wein oder Bier am Hafen anlegen. Und wenn auch das irgendwann langweilig werden sollte ist Hafner mutig genug für den ganz großen Karriereknick: Pirat werden. Zumindest hypothetisch. Auf unsere Frage, ob er sich im Sinne der maritimen Dualität eher als Marineoffizier oder Seebeuter sieht, lächelt er nur verschmitzt. „Der Pirat hat die Chance auf den großen Goldschatz der Marineoffizier die Chance auf die gute Rente. Wie wär’s mit einem Karriereknick zwischendurch?“ Und dann heißt es wieder volle Kraft voraus, raus aus dem Hafenbecken und rein in die Elbe. Die Wellen schlagen an den Bug als wir Blohm + Voss den Rücken kehren. Fast könnte man meinen eine frische Meeresprise zu spüren, das Salzwasser auf der Haut. Dem Yachtdesigner scheint es zu gefallen. Wer weiß welche Gefilde Pit und Hafner in Zukunft unsicher machen werden.

Hafners neuste Kreation stammt aus dem Hause INSIDER Yachts und feierte bei der diesjährigen „boot Düseldorf 2017“ ihre Weltpremiere. Das Motorboot gilt schon jetzt als einzigartig und lebt von seiner detaillierten Perfektion. Wie bei keinem anderen Boot seiner Art gelingt es der Manufaktur polarisierendes Design mit qualitativ gelungener Funktionalität zu verbinden. Gezeichnet wurde der Bootstraum von iYacht. Hafners Büro verarbeitete dabei exklusiv alle Details – vom Leder bis zum Edelstahl. Jedes noch so kleine Detail ist individuell angefertigt und reicht von den Streben unter dem Motorraumdeckel bis hin zu den Wasserabläufen im Cockpit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Blickfang der Messe misst 8,5 m Länge und 2,5m Breite, hat bis zu 430 PS und erreicht einen Toppspeed von 100km/h. Die INSIDER ist mit einem Oberklassewagen trailerbar, der auf Wunsch mitgeliefert werden kann.