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Der Morgan stirbt nie: Introducing Andreas Hensing

Unser nächstes Role Model arbeitete als Unternehmensberater, bis er sich voll und ganz seiner Leidenschaft für Oldtimer hingab. Mittlerweile schreibt der 63-jährige als erfolgreicher Buchautor über die Faszination für das englische Automobil-Traditionshaus „Morgan“. Wir haben mit Andreas Hensing über die neusten Entwicklungen in der Automobilbranche gesprochen und lassen uns verraten, was das Handwerk Sportwagen mit dem Bespoke Tailoring gemeinsam hat.

 

 

Nach 25 Jahren in der Unternehmensberatung hast du dir nochmal einen ganz neuen Arbeitszweig eröffnet. Erzähl!

Nach meinem langen Berufsleben freue ich mich, nur noch Sachen machen zu müssen, die mir auch wirklich Spaß machen. Meine 25-jährige Karriere als international tätiger Personal- und Unternehmensberater habe ich vor einigen Jahren einfach an den Nagel gehängt und bin zu meinen pädagogischen Wurzeln zurückgekehrt. Ich habe im hohen Alter noch eine Ausbildung zum Lerncoach absolviert – gehe in Unternehmen und bringe Auszubildenden und Dual-Studierenden bei, wie man richtig lernt. Wenn die Kinder und Jugendlichen die Schule absolviert haben, dann wissen sie viel über Biologie, Mathematik oder sonst etwas. Aber sie wissen nicht, wie sie richtig lernen. An einem intensiven Workshoptag kann ich ihnen so viel beibringen, dass sie für sich selbst ein ideales Lernverhalten an den Tag legen und eine persönliche Lernstrategie definieren können.

 

Nebenher betreibst du einen eigenen Verlag, und bist Autor des erfolgreichen Automobil-Liebhaber Buches „Morgan-das Making of“, in dem du 17 Tage lang hautnah die handgemachte Fertigung eines Morgan mitverfolgst.

Meine Frau und ich schreiben Bücher im eigenen Hanseatischen Buchverlag, veröffentlichen aber auch in anderen Verlagen. Das Making of eines Morgan war extrem erfolgreich und innerhalb eines guten Jahres ausverkauft. Morgan ist wie ein kleines gallisches Dorf – nur eben in den Midlands. In der Produktion siehst du keine Fließbänder – es sind viele hochbegabte und hochqualifizierte Mitarbeiter, die in reiner Handarbeit so ein Auto bauen. Die Ausbildung bei Morgan dauert fünf Jahre, bis ein Neuer an das Auto ran darf. Ich habe dort selbst eine Familie interviewt, die seit drei Generationen für Morgan arbeitet. Da steckt jede Menge Herzblut drin. Es ist schließlich das einzige englische Automobilunternehmen, das immer noch in Familienbesitz ist.

 

Woher kommt deine Leidenschaft für klassische Automobile?

Diese Leidenschaft hat sich entwickelt, als ich anfangen konnte zu lesen. Ich habe damals Automobilkataloge gewälzt, das hat mich schon von jeher interessiert. Die ersten Gebrauchtwagen, die ich hatte, sind heute bereits echte Klassiker wie der Rundheck-Spider von Alfa Romeo. Da war ich noch Schüler, als ich den fuhr. Ich bin im Geiste diesen Klassikern treu geblieben. Nachdem der alte Landrover nicht mehr hergestellt wird, ist Morgan das einzige Auto, das noch so gebaut wird und auch noch so aussieht wie früher. Von allen ab 1936 gebauten vierrädrigen Morgan fahren immer noch 90% auf den Straßen. Das heißt: diese Autos sind für die Ewigkeit gebaut. Die werden vererbt an die nächste Generation.

 

Andreas trägt das B&B Polo Shirt in grau für 59 €, kombiniert mit dem Fioroni Pullover aus Cashmere und Seide in blau für 450 € und einer hellen B&B Sommerhose, 169 €. Die "George" Maßschuhe von Risch Shoes für 340 € runden das Outfit ab.

 

 

Der schönste Moment in deinem Morgan?

Woran man sich immer erinnert ist, wie man zum Morgan gekommen ist. Zu meiner Marinezeit hatte der Admiral der Marineschule einen Morgan als Privatwagen. Da streicht man dann um dieses Auto herum. Auf dem Genfer Automobilkongress habe ich mich dann getraut, den Morgan mal anzuprobieren und habe wider Erwarten festgestellt: ich pass da rein (lacht). Mit dieser freudigen Botschaft habe ich dann meine Frau beglückt, die ich mittlerweile in mühevoller Kleinarbeit für klassische Autos interessiert habe. Meine Frau hat sich dann Farbe und alles ausgesucht – ihr eigenes Corporate Design als Innenarchitektin (lacht) – schließlich ist es ihr Geschäftswagen.

 

Wie stehst du zu aktuellen Entwicklungen in der Automobilbranche wie selbstfahrenden Autos oder Elektroautos?

Ich finde das spannend, da Jahrzehnte technologisch rein gar nichts passiert ist. Da gibt es jetzt wieder einen richtigen Sprung mit dem teilautonomen Fahren. Mein aktueller Wagen ist ebenfalls auf diesem neuesten Stand. Ich werde wahrscheinlich noch erleben, dass ich mich einfach reinsetzen und rumkutschieren lassen kann. Das hat ja auch was, wenn selbst die Reflexe nachlassen im Alter und man nicht mehr so gut gucken kann. Dann reicht es doch, wenn das Auto fahren kann, oder? (lacht). Für meine Mobilität ist also auch im Alter gesorgt.

E-Mobilität auf der anderen Seite finde ich dann gut, wenn die Ökologie über den gesamten Lebenszyklus gegeben ist. Das heißt, wenn auch der Bau der Akkus entsprechend nachhaltig ist. Um die E-Mobilität voranzutreiben, müsste aber auch die Gesetzeslage in Deutschland maßgeblich verändert werden. Auch wenn man einen Platz in einer großen Tiefgarage besitzt, ist es momentan noch nicht möglich, dort eine Ladestation zu installieren – selbst wenn es auf eigene Kosten geschieht, weil dazu jeder im Haus seine Zustimmung geben muss und das bekommst du quasi nie. Das heißt, du kannst dein Auto zu Hause nicht aufladen. Solange das nicht gesetzlich geregelt ist, bekommst du die E-Mobilität in Deutschland nicht verbreitet.

 

So ein handgemachter Morgan hat in seiner Individuellen Fertigung große Ähnlichkeiten zum Bespoke Tailoring.

Es gibt keinen Morgan, der ist wie der andere. Beim Bespoke Tailoring genieße ich es ebenfalls, dass man zu vertretbaren Konditionen Sachen individuell schneidern lassen kann, da mein Körper kein Körper ist, der Mode von der Stange verträgt. Ansonsten bin ich eher der sportlich-legere Typ und genieße auch, dass ich mittlerweile keine Krawatte mehr tragen muss.

 

Button Down Hemd: B&B, 125 €,  Sakko: Gabo, aus 100% Cashmere, 1800 €, Einstecktuch aus Seide für 49 €. 

 

Dein Stil in einem Satz?

Ich bin ein wenig anglophil angehaucht, auch hier liebe ich es klassisch und doch leger.

 

Welche Funktion muss Kleidung für dich haben?

Mir ist vor allem Materialqualität wichtig. Ich hatte mal ein Sakko aus Kaschmir, damit konnte ich sogar einen Mittagsschlaf halten, und danach war nicht eine Falte drin. Oder zum Beispiel gute Golf-Garderobe – die ist nicht nur vom Material und vom Gefühl gut, sondern auch noch in höchstem Maße funktional. Wenn du mal in einen Regenschauer kommst, ist die Hose hinterher direkt wieder trocken. Das ist mir wichtig. Irgendjemand hat mal gesagt: „Ich kann es mir nicht leisten, billig einzukaufen“.

 

Gibt es irgendjemand, an dem du dich stilistisch orientierst, eine Art Stilvorbild?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin mein eigenes Vorbild, wenn ich vorm Spiegel stehe (lacht).

 

Welche Werte schätzt du als Role Model an der Marke Barons & Bastards?

Barons & Bastards hat einfach Sachen, die genau zu mir passen. Das fängt beim handgefertigten Automobil an und hört beim Bespoke Tailoring auf. Das Erste, mit dem ich bei B&B Kontakt hatte, waren Schuhe. Ich habe so komische große Füße und dort genau das passende gefunden. Meine Frau war gleich fasziniert von den Autofahrer-Handschuhen. Und so kam eins zum anderen.

 

Baron, oder Bastards?

Wenn du mich das vor 20 Jahren gefragt hättest, wäre meine Antwort eher auf Bastard gefallen (lacht). Meinem gesetzten Alter geschuldet, bin ich heute eher zum Baron geworden. Den Titel Baron will ich mir natürlich nicht aneignen, aber ich denke, dass dieser eher klassische Stil mittlerweile besser zu mir passt.

 

Uhr: Briston, 290 €, Suede Leder Weste: B&B, 189 €, Handschuhe aus Hirschleder: B&B, 149 €

 

Text und Fotos: Lena von Zabern

Mit besonderem Dank an Omeo Home für die Bereitstellung der Shooting Location